10. Juli 2026. Autor: Dieter Müller, Dipl. Ing. - Hier sind meine Steine!
[Stein 1] – Gedanken aus Bruchsal – und vielleicht eine Anregung für andere Kommunen
Es gibt Städte, die man wegen ihrer Geschichte kennt. Andere wegen ihrer Wirtschaft, ihrer Universität oder ihrer besonderen Landschaft. Manche besitzen weltberühmte Bauwerke, andere sind für ihre Industrie oder ihre Kultur bekannt.
Bruchsal muss den Vergleich mit keiner Stadt scheuen. Das wiederaufgebaute Barockschloss erinnert an eine wechselvolle Vergangenheit. Es erzählt von Zerstörung und Wiederaufbau, von Verlust und Hoffnung. Wer durch seine Säle geht oder den Blick über die Gartenanlagen schweifen lässt, spürt, dass Geschichte nicht nur aus Jahreszahlen besteht. Geschichte lebt dort weiter, wo Menschen den Mut haben, Neues entstehen zu lassen.
Rund um die Stadt beginnt das sanfte Hügelland des Kraichgaus – von mir seit vielen Jahren liebevoll das Bruchsaler Ländchen genannt. Wer dort unterwegs ist, begegnet Weinbergen, Feldern, Streuobstwiesen und kleinen Dörfern. Es ist eine Landschaft, die nicht laut ist. Sie drängt sich nicht auf. Vielleicht ist sie gerade deshalb so schön.
Bruchsal ist aber auch eine Stadt der Bildung. Schulen unterschiedlichster Art prägen das Stadtbild ebenso wie Einrichtungen, deren Bedeutung weit über die Region hinausreicht. Die Landesfeuerwehrschule bildet Frauen und Männer aus ganz Baden-Württemberg aus. Jeden Tag lernen dort Menschen, Verantwortung für andere zu übernehmen. Auch das ist Bildung – vielleicht sogar eine ihrer schönsten Formen.
Doch so wichtig Gebäude, Landschaften und Institutionen auch sind: Sie allein machen eine Stadt noch nicht lebenswert.
Eine Stadt wird erst durch ihre Menschen zu dem, was sie ist.
Sie wird lebenswert, wenn Menschen einander begegnen.
Wenn sie sich zuhören.
Wenn sie bereit sind, voneinander zu lernen.
Wenn Verwaltung, Politik, Vereine, Unternehmen und Ehrenamtliche nicht nebeneinander arbeiten, sondern miteinander.
Diese Überzeugung hat mich viele Jahre begleitet. Anfangs war sie eher ein Gefühl als ein klar formulierter Gedanke. Erst im Laufe der Zeit wurde mir bewusst, dass sie der eigentliche rote Faden hinter vielen Projekten war, die in Bruchsal entstanden sind.
Wer heute auf einzelne Veranstaltungen, Initiativen oder Einrichtungen blickt, sieht leicht nur das Ergebnis. Ein Kinoangebot. Einen Internettreff. Sicherheitstage. Gesundheitsmessen. Theater am Nachmittag. Informationsveranstaltungen. Vorträge. Begegnungen.
Doch all dies erzählt nur die sichtbare Seite der Geschichte.
Die eigentliche Geschichte beginnt viel früher.
Sie beginnt mit einer einfachen Frage:
Was macht eine Stadt lebenswert?
Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Jede Kommune muss ihren eigenen Weg finden. Was in einer Großstadt funktioniert, muss nicht zwangsläufig in einer Kleinstadt gelingen. Und doch bin ich überzeugt, dass es Erfahrungen gibt, die sich teilen lassen.
Nicht als Rezept.
Nicht als Bauanleitung.
Sondern als Anregung.
Vor beinahe zwanzig Jahren erhielt Bruchsal gemeinsam mit fünf weiteren Städten die Möglichkeit, an einem von der Bertelsmann Stiftung begleiteten Projekt mitzuwirken. Der Name lautete NAIS – Neues Altern in der Stadt.
Damals konnte niemand ahnen, welche Entwicklung daraus entstehen würde.
Rückblickend würde ich sogar sagen: Der Name beschreibt nur einen Teil dessen, worum es eigentlich ging.
Es ging nicht nur um das Älterwerden.
Es ging um das Zusammenleben.
Es ging um Vertrauen.
Es ging um Verantwortung.
Es ging um die Überzeugung, dass Lebensqualität nicht zufällig entsteht, sondern gemeinsam gestaltet werden kann.
Vielleicht ist genau das die Geschichte, die ich erzählen möchte.
[Stein 2] – Eine Stadt mit Geschichte, Landschaft und Zukunft
Wer verstehen möchte, warum Menschen sich für ihre Stadt engagieren, muss zunächst die Stadt selbst kennenlernen.
Bruchsal ist keine Metropole. Die Stadt besitzt nicht die Größe einer Großstadt und nicht deren Möglichkeiten. Gerade darin liegt aber vielleicht eine besondere Stärke.
Man kennt sich.
Man begegnet sich.
Ideen können ihren Weg finden.
Was in einer großen Verwaltung möglicherweise viele Ebenen durchlaufen muss, kann in einer überschaubaren Stadt manchmal schneller vom Gedanken zur Wirklichkeit werden – wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Bruchsal trägt eine bewegte Geschichte in sich.
Das Barockschloss, einst Residenz der Fürstbischöfe von Speyer, erinnert an eine Zeit, in der die Stadt ein bedeutendes geistliches und kulturelles Zentrum war. Der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Zerstörungen. Das Schloss und die komplette Innenstadt lagen in Trümmern.
Dass es heute wieder in seiner barocken Pracht erlebt werden kann, ist mehr als eine Frage der Denkmalpflege. Es ist ein sichtbares Zeichen dafür, was möglich wird, wenn Menschen eine gemeinsame Vorstellung von Zukunft haben.
Zerstörung muss nicht das letzte Wort behalten.
Dieser Gedanke begleitet Bruchsal bis heute.
Zur Geschichte gehört aber nicht nur das Vergangene.
Bruchsal ist auch eine Stadt des Lernens und der Bildung.
Mit ihren zahlreichen Schulen und Bildungseinrichtungen besitzt die Stadt eine besondere Bedeutung für die Region. Die Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg macht dies besonders deutlich: Hier werden Feuerwehrangehörige aus dem ganzen Land ausgebildet, Menschen also, die später Verantwortung für andere übernehmen.
Bildung bedeutet nicht nur Wissen.
Bildung bedeutet auch Befähigung.
Sie gibt Menschen die Möglichkeit, ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen aktiv mitzugestalten.
Und dann ist da noch die Landschaft, die Bruchsal umgibt.
Das Kraichgauer Hügelland beginnt direkt vor der Haustür. Felder, Weinberge, Streuobstwiesen und kleine Wege laden dazu ein, die Umgebung zu Fuß zu entdecken.
Dieses Bruchsaler Ländchen, wie ich es gerne nenne, ist kein spektakulärer Naturpark mit großen Schlagzeilen.
Seine Schönheit liegt im Stillen.
Vielleicht passt gerade das gut zu einer Stadt, deren besondere Stärke nicht im lauten Auftreten liegt.
Denn auch das Miteinander einer Stadt entsteht selten durch große Worte.
Es entsteht durch viele kleine Begegnungen.
Durch Menschen, die sich kümmern.
Durch Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Durch Menschen, die nicht fragen:
"Was kann die Stadt für mich tun?"
sondern auch:
"Was kann ich für meine Stadt tun?"
Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Geschichte.
Denn eine lebenswerte Stadt entsteht nicht allein durch Gebäude, Landschaften oder Institutionen.
Sie entsteht durch Menschen, die sich einbringen.
Und genau hier beginnt der Weg, der später zu NAIS – Neues Altern in der Stadt – führen sollte.
[Stein 03] – Die Frage hinter allem: Wie wollen wir in Zukunft leben?
Jede Stadt verändert sich.
Manchmal geschieht dies langsam und kaum bemerkbar. Manchmal entstehen Entwicklungen, die eine Kommune vor neue Herausforderungen stellen.
Eine dieser Entwicklungen betrifft das Älterwerden der Gesellschaft.
Längere Lebenserwartung, veränderte Familienstrukturen und der Wunsch vieler Menschen, möglichst lange selbstbestimmt zu leben, stellen Kommunen vor neue Aufgaben.
Doch die entscheidende Frage lautet nicht:
Wie viele ältere Menschen wird es in Zukunft geben?
Die entscheidende Frage lautet:
Wie wollen wir miteinander leben?
Denn Älterwerden ist keine Angelegenheit einer einzelnen Altersgruppe.
Junge Menschen werden älter.
Ältere Menschen waren einmal jung.
Eine Stadt, die gute Bedingungen für ältere Bürgerinnen und Bürger schafft, schafft damit in vielen Bereichen auch bessere Bedingungen für alle Generationen.
Genau diese Gedanken standen hinter dem Projekt NAIS – Neues Altern in der Stadt.
Der Name könnte auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, es gehe vor allem um Seniorenarbeit.
Aber das greift zu kurz.
Im Mittelpunkt stand von Anfang an ein anderer Gedanke:
Nicht das Alter ist das Problem.
Entscheidend ist die Frage, ob Menschen auch im höheren Lebensalter aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Ob sie Möglichkeiten zur Begegnung finden.
Ob sie ihre Erfahrungen einbringen können.
Ob sie Zugang zu Bildung, Kultur und Information behalten.
Ob sie sich als Teil ihrer Stadtgesellschaft fühlen.
Aus dieser Perspektive betrachtet, ist "gesundes Altern" weit mehr als eine medizinische Frage.
Gesundheit bedeutet nicht nur, Krankheiten zu vermeiden.
Gesundheit bedeutet auch Lebensqualität.
Es bedeutet Bewegung.
Es bedeutet geistige Neugier.
Es bedeutet soziale Kontakte.
Es bedeutet das Gefühl, gebraucht zu werden.
Vielleicht liegt genau darin der Kern des Bruchsaler Weges:
Nicht fragen:
"Was brauchen ältere Menschen?"
Sondern fragen:
"Was brauchen Menschen, damit sie in jeder Lebensphase gut leben können?"
Diese Frage verändert den Blickwinkel grundlegend.
Sie macht aus einer vermeintlichen Aufgabe für eine bestimmte Altersgruppe eine gemeinsame Aufgabe der ganzen Stadtgesellschaft.
Und genau hier beginnt die Geschichte von NAIS in Bruchsal.
[Stein 04] – Eine Idee braucht Menschen, die sie gemeinsam tragen
Gute Ideen entstehen manchmal aus einer einfachen Beobachtung.
Man sieht eine Entwicklung.
Man erkennt eine Herausforderung.
Man spürt: Hier muss etwas geschehen.
Doch zwischen einer guten Idee und einer dauerhaften Veränderung liegt ein großer Unterschied.
Eine Idee allein verändert noch keine Stadt.
Sie braucht Menschen, die sie aufnehmen.
Sie braucht Strukturen, die ihr Halt geben.
Und sie braucht Partner, die gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Genau hier liegt eine der wichtigsten Erfahrungen aus dem Bruchsaler Weg.
Eine Kommune kann die Zukunft nicht allein gestalten.
Die Verwaltung kann wichtige Rahmenbedingungen schaffen.
Der Gemeinderat kann politische Unterstützung geben.
Ehrenamtliche können Erfahrungen, Ideen und Engagement einbringen.
Aber erst wenn diese Kräfte zusammenwirken, entsteht etwas Nachhaltiges.
Vor fast zwanzig Jahren begann in Bruchsal ein solcher Prozess.
Ausgangspunkt war das Projekt NAIS – Neues Altern in der Stadt –, das die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit sechs Kommunen als Modellprojekt entwickelte.
Neben Bruchsal beteiligten sich Altena, Eschwege, Glauchau, Hamm und Stuhr.
Ziel war es, gemeinsam mit den Kommunen Wege zu entwickeln, wie Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit vor Ort verbessert werden können.
Dabei ging es nicht darum, eine fertige Lösung von außen zu übernehmen.
Vielmehr ging es um einen gemeinsamen Entwicklungsprozess.
Die beteiligten Kommunen sollten ihre eigenen Stärken erkennen, ihre besonderen Herausforderungen analysieren und daraus passende Konzepte entwickeln.
Genau darin lag eine besondere Stärke dieses Ansatzes.
Nicht jede Stadt braucht dasselbe.
Eine Großstadt hat andere Voraussetzungen als eine kleinere Kommune.
Eine Stadt mit vielen Ortsteilen steht vor anderen Aufgaben als eine dicht besiedelte Metropole.
Entscheidend ist deshalb nicht die Kopie eines Modells.
Entscheidend ist die Fähigkeit, gemeinsam vor Ort Lösungen zu entwickeln.
Für Bruchsal begann damit eine Phase intensiver Zusammenarbeit.
Menschen aus unterschiedlichen Bereichen kamen zusammen.
Ehrenamtliche und Hauptamtliche.
Bürgerinnen und Bürger.
Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung.
Fachleute.
Gemeinsam wurde überlegt:
Was brauchen die Menschen in unserer Stadt?
Welche Möglichkeiten gibt es bereits?
Wo fehlen Angebote?
Wo können neue Wege entstehen?
Diese Phase war nicht nur eine Planungsphase.
Sie war bereits ein wichtiger Teil des späteren Erfolgs.
Denn während man über die Zukunft sprach, entstand gleichzeitig etwas sehr Wertvolles:
Beziehung.
Vertrauen.
Und die Erfahrung:
Wir können gemeinsam etwas bewegen.
Fragen an Volker, die hauptamtliche Seite!
Eine andere Perspektive:
Verwaltungsabläufe,
politische Abstimmungen,
interne Entscheidungswege,
Gespräche mit Führungsebene,
mit dem Gemeinderat,
Zusammenarbeit mit Ämtern.
Anekdoten
Einbindung von hauptamtlichen Mitarbeitern in der Anfangsphase (3 Jahre) um die Arbeit zu unterstützen
Öffentliche Würdigung Berlin, Stuttgart
Hindernisse und Rückschläge
Fragen an Klaus zur gemeinsamen Erstellung unseres Wegweisers
Fragen an Wolfgang Wähnke. Bertelsmann Stiftung...
Fragen an Thomas Altgeld, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e.V.