Nach fast drei Jahrzehnten am Boulevard Raspail bezieht die Fondation Cartier pour l’art contemporain neue Räume im Herzen von Paris. Ihre neue Adresse lautet 2, Place du Palais Royal – ein geschichtsträchtiger Ort im 1. Arrondissement, nur wenige Schritte vom Louvre entfernt. Hier soll die renommierte Institution künftig ihre Ausstellungen, Installationen und Veranstaltungen präsentieren.
Das Gebäude, das nun die Fondation Cartier beherbergt, stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es liegt direkt gegenüber dem Palais Royal und war über Jahrzehnte Sitz staatlicher Einrichtungen. Nun wird es durch eine feinfühlige architektonische Intervention zu einem offenen Ort für zeitgenössische Kunst transformiert – ohne seine klassische Fassade zu verändern. Das Innere hingegen wurde an die technischen Anforderungen moderner Ausstellungsarchitektur angepasst.
Wie schon beim legendären Glaspavillon am Boulevard Raspail begleitet auch diesmal Jean Nouvel den Übergang mit seiner unverwechselbaren architektonischen Handschrift. Der Ansatz folgt erneut dem Prinzip der Transparenz, Offenheit und des Dialogs zwischen Kunst, Raum und Stadt. Die Räume sind modular gestaltet, mit flexiblen Ausstellungsebenen, neu konzipierter Lichtführung und digitaler Präsentationstechnik. So wird das historische Gebäude zu einem Ort, an dem Tradition und Gegenwart harmonisch verschmelzen.
Mit dem Umzug an den Palais Royal setzt die Fondation Cartier ein deutliches Zeichen: Sie positioniert sich nicht nur geografisch im Zentrum von Paris, sondern auch kulturell mitten im Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft. Das Umfeld – zwischen Louvre, Comédie-Française und den Galerien der Rue Saint-Honoré – schafft ein einzigartiges Spannungsfeld für neue Formen der Kunstvermittlung.
Die ersten Ausstellungen am neuen Standort sind für 2025/2026 vorgesehen. Dabei will die Stiftung an ihr zentrales Anliegen anknüpfen: die Begegnung von Kunst, Wissenschaft, Natur und Gesellschaft. Auch der Charakter offener Begegnungen – Konzerte, Vorträge, interdisziplinäre Projekte – soll beibehalten werden. Der neue Sitz ist also weniger eine Abkehr vom Alten als vielmehr eine Weiterentwicklung ihrer Philosophie.
Der neue Standort der Fondation Cartier am Place du Palais Royal markiert somit einen Aufbruch – mitten im historischen Paris und doch mit Blick in die Zukunft.
24. Oktober 2025. Lizenzfreie Fotos vom neuen Standort Palais Royal konnte ich bislang leider nicht finden. Besuche die Website "Willkommen bei der Fondation Cartier pour l’art contemporain" sowie Fondation Cartier. Dort gibt es zahlreiche Fotos und weitere Informationen. Das nachfolgende Video zeigt die Ansicht am 2, Place du Palais Royal. -DM
In diesem Video nehmen wir Dich mit auf eine Entdeckungsreise durch die Räume, die moderne Innenarchitektur von Jean Nouvel. "Fondation Cartier 2.0 : Un Musée d'Art Contemporain Encore Jamais Vu!" - In den Einstellungen Französisch und Englisch.
Fast drei Jahrzehnte lang war der gläserne Pavillon am 261 Boulevard Raspail die Heimat der Fondation Cartier pour l’art contemporain. Er wurde 1994 vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel entworfen und zählt bis heute zu den markantesten Bauten zeitgenössischer Architektur in Paris. Mit seiner durchsichtigen, doppelschichtigen Glasfassade wurde das Gebäude selbst zu einem Kunstwerk – einem Symbol für Offenheit und Transparenz, das die Kunst mit der Stadt verschmelzen ließ.
Das Konzept Jean Nouvels war radikal und poetisch zugleich: Das Museum verschwindet fast in der Umgebung, reflektiert Himmel, Bäume und vorbeiziehende Menschen. Der Bau besteht aus zwei Glaswänden – einer äußeren transparenten Schicht und einer inneren Fassade –, zwischen denen sich ein schmaler Raum aus Licht, Spiegelungen und Vegetation öffnet. Der Garten, gestaltet vom Landschaftsarchitekten Lothar Baumann, ist integraler Bestandteil des Bauwerks und schafft eine enge Verbindung von Architektur und Natur.
Seit der Eröffnung 1994 fanden hier bedeutende Ausstellungen statt – von Jean Michel Basquiat über Ron Mueck bis David Lynch. Die Fondation Cartier wurde schnell zu einem der wichtigsten privaten Kunsthäuser Europas. Sie verstand sich nicht als klassisches Museum, sondern als Labor für Experimente: Kunst, Design, Fotografie, Film und Wissenschaft trafen hier aufeinander.
So eindrucksvoll der Bau war, stieß er mit der Zeit an seine Grenzen. Die transparenten Wände und die offene Raumstruktur erschwerten die Präsentation empfindlicher Werke. Auch die verfügbaren Flächen entsprachen nicht mehr den wachsenden Anforderungen an moderne Ausstellungsräume. Nach intensiver Diskussion entschied die Fondation Cartier daher, einen neuen Sitz im Pariser Zentrum zu beziehen – am Place du Palais Royal.
Was mit dem ikonischen Glaspavillon geschieht, ist derzeit offen. Die Fondation Cartier will das Gebäude vorerst erhalten und über zukünftige Nutzungen entscheiden, sobald der neue Standort in vollem Betrieb ist. Spekulationen über eine kulturelle oder akademische Nachnutzung gibt es bereits, doch offizielle Pläne stehen noch aus. Sicher ist: Der Pavillon wird als architektonisches Meisterwerk von Jean Nouvel in Erinnerung bleiben – ein Denkmal der Leichtigkeit und der Idee, Kunst und Architektur zu verschmelzen.
Der Glaspavillon am Boulevard Raspail war mehr als ein Ausstellungsort – er war eine Vision in Glas, ein Experimentierfeld für Kunst und Architektur, das über Jahrzehnte hinweg den Dialog zwischen Künstlern, Wissenschaftlern und Besuchern geprägt hat.
Vanessa Müller-Rees "Haute Architecture". Eine Untersuchung der Baustrategie der Marke Cartier und der Corporate Architecture von Luxuxmodemarken seit 1990.
Dissertation September 2008
Deutscher Kunstverlag
Das Foto aus dem Buch zeigt oben das Cartier Stammhaus Paris, Rue de la Paix (1899) - unten Fondation Cartier pour l'art contemporain, Paris, Boulevard Raspail, Jean Nouvel (1991-94).
Die Fondation Cartier pour l’art contemporain, 261 Boulevard Raspail. Architekt Jean Nouvel:
Le Theatrum Botanicum de nuit pour les 30 ans de la Fondation Cartier pour l'art contemporain
Die Pressemeldung anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Fondation Cartier spiegelt den Werdegang der Stiftung wider, zeigt die wichtigsten handelnden Personen, die Künstler und ihre Kunst, sowie auch die ersten Jahre des gewaltigen Gebäudes, das als Grand Hotel du Louvre zur Pariser Weltausstellung 1855 eine wichtige Rolle spielte. (Ausschnitt aus der Pressemeldung von 2024 der Fondation Cartier).
Besuchen Sie die Fondation am neuen Standort Palais Royal!
Die Fondation Cartier hat einen Aufbruch ins Herz von Paris gestartet. Finde finde alle weiteren Informationen hier!
27. Oktober 2025
24. Oktober 2025. Möchtest Du vielleicht meinen Artikel kommentieren? Gibt es womöglich Fehler? Hier gibt es eine Kontaktmöglichkeit! -Dieter Müller