5. Dezember 2025.
In den meisten westeuropäischen Ländern verbringen Menschen im Schnitt rund 20 bis etwas über 20 Jahre im Ruhestand. Deutschland, Schweden und Norwegen liegen hier dicht beieinander, Island etwas darunter, weil dort besonders lange gearbeitet wird.
Doch wichtiger als die reine Zahl ist die Frage: Wie viele dieser Jahre erleben wir mit guter Gesundheit, Beweglichkeit und Lebensfreude – und wie viele verbringen wir in Praxen, Kliniken oder in der Pflege?
Deutschland gehört seit Jahren zu den Ländern mit den höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit in Europa. Trotzdem schneiden wir bei Lebenserwartung und vor allem bei den gesunden Lebensjahren im Alter nur mittelmäßig ab.
OECD-Daten zeigen zum Beispiel: Männer in Island können sich mit 65 Jahren im Schnitt auf rund 20,5 zusätzliche Lebensjahre einstellen, Männer in Norwegen auf gut 20 Jahre – Werte, die im oberen europäischen Bereich liegen, während Deutschland eher im Mittelfeld bleibt.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei den gesunden Jahren: In Norwegen und Schweden liegt die gesunde Lebenserwartung mit 65 für Männer und Frauen bei etwa 14 Jahren – und damit fast zwei gesunde Jahre mehr als in vielen anderen Ländern und deutlich über dem OECD-Durchschnitt von rund 10 gesunden Jahren.
Nordische Länder und Island zeigen, dass es anders geht: Dort verbringen ältere Menschen nicht nur viele Jahre nach dem Renteneintritt, sondern vor allem mehr dieser Jahre bei guter Gesundheit und mit hoher Lebenszufriedenheit.
Globale Renten- und Altersvorsorge-Indizes sehen Island, Dänemark und andere nordische Länder regelmäßig auf den vorderen Plätzen, während Deutschland zwar gut, aber nicht spitze abschneidet – vor allem, weil es bei gesunden Jahren und Rentensicherheit noch Luft nach oben gibt.
Hinzu kommt: Die Lebenserwartung in der nordischen Region liegt seit Anfang der 2000er-Jahre stabil über 80 Jahren, mit Schweden und Island immer wieder an der Spitze dieser Gruppe.
Fachleute beschreiben Deutschland als gut ausgestattetes, aber wenig präventionsorientiertes System: Vieles wird behandelt, wenn es bereits chronisch ist, statt Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder Bewegungsmangel früher und konsequenter anzugehen.
Hausarztpraxen, Betriebe und Kommunen spielen dabei eine wichtige Rolle – und können ihre Möglichkeiten sicher noch besser nutzen. Dazu gehören regelmäßige Einladungen zu Vorsorgeuntersuchungen, niedrigschwellige Bewegungs- und Ernährungsangebote und verständliche Informationen speziell für ältere Menschen.
Die gesetzlichen Krankenkassen haben starke Hebel an der Hand: Sie finanzieren Präventionskurse, Bonusprogramme und Gesundheitschecks – und könnten diese Angebote noch sichtbarer, einfacher und attraktiver machen.
Dazu gehört zum Beispiel, Vorsorgeuntersuchungen aktiv zu bewerben, digitale Programme für ältere Menschen anzupassen, Bonusmodelle verständlich zu erklären und regionale Lücken in der Versorgung gezielt mit Ärzten und Kommunen anzugehen. Damit aus Theorie gelebte Praxis wird, müssen diese Angebote für uns im Alltag wirklich greifbar sein.
So wichtig Strukturen und Politik sind – am Ende bleibt ein entscheidender Teil bei uns selbst. Niemand kann uns den täglichen Spaziergang abnehmen, die Entscheidung für eine Impfung oder den Mut, eine Vorsorgeuntersuchung auch dann wahrzunehmen, wenn es uns eigentlich „ganz gut“ geht.
Länder mit besonders hoher Lebensqualität im Alter zeigen, dass ältere Menschen Vorsorgeangebote, Selbsthilfegruppen und Bewegungsprogramme deutlich häufiger nutzen – und dafür mit mehr gesunden Jahren belohnt werden.
Es ist an der Zeit, dass wir alle in uns gehen und uns fragen, ob wir als einzelne Bürgerinnen und Bürger wirklich bereit sind, etwas mehr in unsere eigene Vorsorge zu investieren.
Es gibt zahlreiche Angebote – von der kostenlosen Grippeschutzimpfung über Herz-Kreislauf-Checks bis hin zu bezuschussten Präventionskursen –, aber sie nützen wenig, wenn wir sie links liegen lassen und darauf hoffen, dass „das System“ schon alles für uns regelt.
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