Die Jahreslosung 2026 stammt aus der Offenbarung des Johannes (Kapitel 21,5) und wurde von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) ausgewählt. Der Vers steht im Kontext der Vision vom „neuen Jerusalem“ (Offb 21,1–8), wo Gott selbst bei den Menschen „zeltet“ (Offb 21,3) – ein Bild für seine unmittelbare Nähe. Warum dieser Text? Die ÖAB betont, dass er in Zeiten globaler Krisen (Klimawandel, Kriege, soziale Ungleichheit) Hoffnung und Handlungsaufforderung verbindet.
Was bedeutet „alles neu“?
Das griechische Wort kainá (καινά) meint keine Zerstörung des Alten, sondern dessen Verwandlung. Theologen wie Wolfgang Baur deuten den Vers als „Temperamentswende Gottes“: Von der majestätischen Ferne (Offb 4–5) hin zur Nähe – Gott wohnt „bei den Menschen“ (Offb 21,3).
„Das ‚Neue‘ beginnt nicht erst in der Ewigkeit, sondern mitten in unserer Welt – in kleinen Schritten wie Solidarität, Kunst oder Gemeinschaft.“
Aktuelle Bezüge: Kirche und Gesellschaft
Die evangelische Kirche versteht die Losung als Aufforderung zum Handeln:
- Persönlich: Neuanfang im Alltag (z. B. nach Krisen oder Verlusten). „Neu machen heißt: Das Bestehende verwandeln“ (Kopp).
- Gesellschaftlich: Engagement für Gerechtigkeit – etwa durch Solidarität mit Geflüchteten oder Klimaschutz.
- Kirchlich: Reformen wie der „Synodale Weg“ oder der Wiederaufbau zerstörter Kirchen (Beispiel: Christuskirche Utting).
Theologische Quellen zur Offenbarung
Für eine vertiefte Auslegung empfehlen sich diese evangelischen Werke:
- Walter Klaiber: Die Offenbarung des Johannes (SCM R. Brockhaus, 2019) – Leseprobe (PDF).
- Hubert Ritt: Die Offenbarung des Johannes (Neue Echter Bibel, 1986) – analysiert die Bildsprache als politische Kritik.
- Rainer Riesner: Historisch-Theologische Auslegung (SCM, 2019) – rekonstruiert den historischen Kontext (Verfolgung unter Kaiser Domitian).
Mehr zur Entstehungsgeschichte der Offenbarung: Wikipedia-Artikel (mit Literaturhinweisen). Die Jahreslosung (Offb 21,5) steht am Ende der Offenbarung – nach den Gerichten (Offb 6–19). Das unterstreicht: Gottes Neuschöpfung ist die Antwort auf die Zerstörung.
Fazit: Warum dieser Vers heute tröstet
Die Jahreslosung 2026 erinnert daran, dass Gottes Erneuerung kein passives Warten ist, sondern ein Prozess, an dem wir mitwirken dürfen – im Kleinen wie im Großen. Wie es Landesbischof Kopp formuliert: „Hoffnung bedeutet nicht verdrängen, sondern die Erfahrung, dass selbst nach großen Verlusten ein neuer Tag beginnt.“


