Wer die fünfzehn Bilder der Apokalypse durchschritten hat, hat einiges ausgehalten.
Reiter des Verderbens.
Fallende Sterne.
Kämpfende Engel.
Ungeheuer aus Meer und Erde.
Die Hure Babylon.
Gericht.
Man kann sich fragen: Warum zeigt man so etwas?
Die Antwort liegt nicht im Schrecken – sondern im Ziel.
Die Offenbarung des Johannes ist kein Katastrophenbuch.
Sie ist eine Hoffnungsschrift für Menschen, die sich von ihrer Gegenwart überwältigt fühlten.
Auch um 1500 war die Welt nicht ruhig.
Krankheiten, politische Unsicherheit, religiöse Spannungen – vieles wirkte bedrohlich.
Und genau in eine solche Zeit hinein veröffentlichte Albrecht Dürer seine Apokalypse.
Doch er endet nicht im Chaos.
Er endet im Frieden.
„Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb 21,5)
Das ist der eigentliche Kern dieser Bildfolge.
Apokalyptische Bilder erschüttern –
aber sie wollen nicht lähmen.
Sie wollen aufrichten.
Das Neue Jerusalem steht für:
Gerechtigkeit.
Wiederherstellung.
Nähe Gottes.
Das Ende von Leid und Angst.
Man könnte sagen:
Die Apokalypse ist eine lange Nacht –
aber sie endet im Morgen.
Und genau hier schließt sich der Bogen zur Jahreslosung 2026, die wir zuvor betrachtet haben.
Auch sie ruft nicht zur Resignation auf, sondern zur Zuversicht.
Geschichte bleibt unruhig.
Krisen verschwinden nicht.
Aber die Vision am Ende sagt klar:
Das Chaos hat nicht das letzte Wort.
Darum lohnt es sich, diese Bilder nicht nur als Drohkulisse zu betrachten – sondern als Einladung zur Hoffnung.
Die Offenbarung entsteht somit nicht im luftleeren Raum. Sie ist keine spekulative Zukunftsschrift, sondern eine Antwort auf konkrete Bedrängnis. Ihre drastischen Bilder – Tiere, Drachen, Gerichte – sind verschlüsselte Deutungen politischer Wirklichkeit. Sie geben den bedrängten Gemeinden eine Perspektive: Die Macht Roms ist nicht das letzte Wort der Geschichte.
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Satz „Siehe, ich mache alles neu!“ sein volles Gewicht. Er richtet sich an Menschen, die nicht auf sichere Verhältnisse blicken konnten, sondern auf eine unsichere Gegenwart.
Die Jahreslosung 2026
“Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“
Wie die evangelische Kirche die Jahreslosung 2026 konkret deutet:
Die Jahreslosung 2026 – „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5a) – wird als Zusage der radikalen Erneuerung verstanden, die sowohl persönlich als auch gesellschaftlich wirkt. - Erneuerung heißt nicht alles weg! Das Gute bleibt!
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Dieter Müller - 19. bis 26. Februar 2026